Anleger in erneuerbare Energien Fonds von Biofond geprellt

Business man putting bribe money in his jacket pocket.

Wohin sind die Milliarden der Anleger geflossen? Eine Frage, die sich viele stellen.

Wenn man schon Geld anlegen möchte, warum dann nicht gleich in ein grünes Projekt? Das dachten sich auch rund 600 bis 700 Anleger, die mit Ökostrom einen Gewinn erwirtschaften wollten. Alternative Energien liegen im Trend und sind zudem noch gut für die Umwelt. So investierten die Anleger in Wasserkraftanlagen in der Türkei – zumindest glaubten sie das.

Wasserkraft in der Türkei – eine stabile Geldanlage?

Noch bis vor kurzem war es so, dass zwei Firmen für die Wasserkraft in der Türkei warben als eine stabile und auch rentable Geldanlage. Wer bei der Centauri Holding GmbH oder bei der Centauri Trust GmbH sein Geld in verschiedene Fonds mit den Namen „Green Energy Turkey“, „Hydropower VI“ oder auch „Hydropower VII“ investiert hat, wird wahrscheinlich sein Geld nicht wiedersehen. Bei der Muttergesellschaft dieser beiden Firmen, „Deutsche Biofonds AG“, wurde noch bis zum April auf Berlin.de geworben.

Verbraucherschützer schätzen, dass es wohl etwa 600 bis 700 Geschädigte sind, die hier ihr Geld investiert haben. Die Anleger waren im guten Glauben, in Wasserkraftwerke zu investieren, die sich am Fluss Batman in der Türkei befinden sollten. Eine genaue Summe steht zur Zeit noch nicht fest, aber nur schon für den Fonds Hydropower VI sind zur Zeit 72 Millionen Euro im Gespräch, bei dem Fonds Green Energy Turkey soll es um 28 Millionen Euro gehen.

Weder Referenzprojekte noch Wasserkraftwerke existieren wie angegeben

Wer in diese Projekte investiert hat, wurde schlichtweg betrogen. Laut dem Anwalt der Geschädigten, Wolfgang Wittmann, ist es so, dass die 200 Referenzprojekte, die in dem Prospekt dargestellt wurden, überhaupt nicht existieren. Auch die Wasserkraftwerke, die der Anlage zugrunde liegen, hat es in der Form, wie im Prospekt angegeben, niemals gegeben.

Insolvenzanträge und Löschung

Bereits im März des vergangenen Jahres haben sowohl die Centauri Holding als auch die Centauri Trust Insolvenzanträge gestellt. Im Dezember dann wurde für die Green Energy Turkey eine Löschungsankündigung durch das Amtsgericht Hamburg angekündigt. Nur wenige Wochen später war eigentlich vorgesehen, dass die Anleger ihr Geld zurückerhalten sollten.

Fondsprospekte mit großen Versprechungen

Auch die Gutachter, die die großen Versprechungen in den Prospekten absegneten, müssen nun die Konsequenzen tragen, gegen die S-Audit-Wirtschaftsprüfer aus Erlangen laufen nun Zivilklagen. Auf eine Anfrage hin, wie die Gutachter denn zu diesen positiven Prospektbewertungen gekommen seien, wurden keine Angaben gemacht.

Schwer durchschaubares Firmennetzwerk

Dass niemand so genau sagen kann, wie hoch die Schadenszahlen nun genau sind, liegt unter anderem daran, dass die betroffene Biofonds AG lediglich das Dach eines recht komplexen Firmennetzwerks ist. Es ist sogar gut möglich, dass viele Anleger bisher noch gar nicht mitbekommen haben, dass sie ihr Geld wahrscheinlich niemals wiedersehen werden. Der Insolvenzverwalter nennt ganz andere Beträge wie Yaver D., der Geschäftsführer und Gründer der Biofonds AG. Ein ständiger Wechsel der Adressen und Firmennamen macht es so schwer, den richtigen Durchblick zu finden. In vielen Fällen ist der Gründer im Register gar nicht mehr aufgeführt. Keine der deutschen Adressen ist zur Zeit erreichbar, und der Firmengründer selbst kann auch gerade nicht tätig werden, da er sich in Nürnberg in der Untersuchungshaft befindet. Nicht wie man jetzt vielleicht vermuten könnte wegen eines möglichen Anlagebetrugs, sondern wegen eines anderen Delikts. Er soll einen besonders schweren Diebstahl begangen haben.

Was er gestohlen haben soll? Büroausstattung, Computer und Software, alles angeschafft von den Vorgängergesellschaften der Centauri. Der Neuwert der Gegenstände wird in der Anklageschrift mit mehr als 217.000 Euro angegeben. Zudem soll auch für zwei Firmensitze die Miete nicht gezahlt worden sein. Auch die Vermarkter des 1. FC Nürnberg warten noch auf einen Betrag in sechsstelliger Höhe Unter anderem wurde von einer dieser Firmen im Netzwerk eine VIP-Lounge im Stadion gebucht für die Saison 2014/15.

Wo ist das Geld der Anleger geblieben?

Das ist sicherlich die Frage, die die meisten interessiert. Bei so vielen offenen Forderungen möchten nicht nur die Anleger und die Gläubiger wissen, was dort mit so viel Geld gemacht wurde. Ob sich dieses Rätsel jemals aufklären wird, das kann zum momentanen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Zu wünschen ist es auf jeden Fall den Anlegern, die ihr Geld wohl niemals wiedersehen werden, zumindest so wie es zur Zeit aussieht.

Quelle: http://www.taz.de/Hunderte-Anleger-geprellt/!5321575/?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

 

Gerne hätten wir ein paar Stimmen von geprellten Anlegern hier mit veröffentlicht, allerdings scheint es so, als ob sich dazu niemand wirklich äußern möchte. In Anbetracht der Summen, die die Anleger hier verloren haben, ist das auch durchaus verständlich. Dennoch würde uns Ihre Meinung dazu interessieren. Wenn Sie zu den Betroffenen gehören, sagen Sie uns doch bitte kurz Ihre Meinung zu diesem Thema, und geben Sie einen Kommentar ab!


Sind die Anleger selbst Schuld?

Diese Frage stellen sich viele mittlerweile. Fest steht, dass in den Fondsprospekten wirklich sehr große Versprechungen gemacht wurden. Viele Anleger empfanden diese Versprechungen als sehr verlockend, beinahe aber auch schon zu verlockend. Wer zu dem Zeitpunkt bereits skeptisch geworden wäre, hätte sicherlich erkannt, dass es einige Ungereimtheiten gab. Viele Anleger von damals sind heute weitaus schlauer. Aber wie fast immer war es das Thema „mehr Schein als Sein“, das die Anleger blendete.

Tolle Kundenveranstaltungen und große Versprechen

Geschäftsmann Yaver D. begann im Jahr 2012 damit, seine Projekte an die Anleger zu bringen. Zu dem Zeitpunkt war er auch im Vorstand der Deutschen Biofonds AG gewesen. Er brachte jede Menge Charme mit, und wickelte die Anleger um den Finger. Eine prunkvolle Kundenveranstaltung, abgehalten auf einem tollen Segelschiff, natürlich gechartert, bei der er von der türkischen Wirtschaftsleistung schwärmte und vom großen Bedarf, den es dort an erneuerbaren Energien gebe, und natürlich auch von den tollen Wasserkraftwerken, die dann in Eigenregie entstehen sollten – das verfehlt natürlich seine Wirkung nicht. Die Anleger glaubten ihm nicht nur all dies sondern auch, dass es eine Zusammenarbeit mit der Regierung der Türkei geben solle. Was dann aber die ersten Anleger eigentlich hätte skeptisch werden lassen müssen ist die Rendite, die man ihnen dort versprach, diese sollte bei bis zu 17 Prozent liegen.

200 verwirklichte Prospekte in nur vier Jahren?

Ein Punkt, der auf jeden Fall hätte auffallen müssen ist die Tatsache, dass im dem Prospekt für Hydropower VI mit insgesamt 200 bereits verwirklichten Projekten geworben wurde. Der Prospekt stammt aus dem Jahre 2012, die Firma wurde allerdings erst 2008 gegründet. Wer ein wenig von der Branche versteht hätte erkennen müssen, dass dies absolut unrealistisch war. Aber wie in vielen anderen Fällen war es wohl auch hier so, dass sich die Anleger wirklich haben blenden lassen. Ob sie deshalb aber gleich selbst Schuld sind, dass ihr Geld jetzt wahrscheinlich weg ist, mag vielleicht doch etwas hoch gegriffen sein.

Hier ein paar Meinungen der Nutzer, die bereits im November des vergangenen Jahres der Meinung waren, dass man hier gar nicht erst hätte investieren dürfen:

 

Meinungen

 

Quelle: http://www.nordbayern.de/wirtschaft/mit-der-deutschen-biofond-zig-millionen-versenkt-1.4770633

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