Deutsche Kohleförderung bringt in der Schweiz selbst ehemals rentable Wasserkraftwerke in Probleme

Braunkohleabbau in Garzweiler. Das Kohle-Abbaugebiet Garzweiler II wurde nun extrem verkleinert.

Was hat ein Wasserkraftwerk in der Schweiz mit der deutschen Kohleförderung zu tun? Offensichtlich mehr, als man denkt, denn sie soll dafür verantwortlich sein, dass selbst alteingesessene und für gewöhnlich rentable Wasserkraftwerke in der Schweiz in Schwierigkeiten geraten.

Wasserkraftwerk am Alpbach mit Tradition

Schon seit 127 Jahren besteht das Wasserkraftwerk am schweizerischen Alpbach in Meiringen. Als dieses Wasserkraftwerk gebaut wurde, gab es in der gesamten Schweiz gerade einmal 20 Kraftwerke insgesamt. Somit können sich die Meiringer mit Fug und Recht zu den Pionieren der Wasserkraft in ihrem Land zählen. Die Lage des Alpbachs spielt hier eine ganz besondere Rolle, denn hier bietet sich ein sehr großes Gefälle auf einer sehr kurzen Strecke. Somit kann hier nicht nur recht einfach, sondern auch überaus effizient Strom erzeugt werden aus Wasser. Dies galt vor 127 Jahren, und auch heute noch. In den ganzen Jahren erwies sich das Kraftwerk als sehr rentabel, aber mittlerweile hat auch dieses Wasserkraftwerk mit Problemen zu kämpfen.

Wichtige Erneuerungen kaum durchführbar

Wie alle technischen Anlagen muss selbstverständlich auch ein Wasserkraftwerk zwischendurch einmal erneuert werden, schließlich hält nichts ewig. Auch beim Wasserkraftwerk Meiringen ist dies nun der Fall. Eine Erneuerung aller Anlagen ist hier dringend notwendig, aber zur Zeit kaum finanzierbar. Bei der Alpen Energie in Meiringen hofft man nun auf darauf, dass die Energiestrategie 2050 angenommen wird, damit das Wasserkraftwerk auch schnell erneuert werden kann. Sollte diese Energiestrategie aber verworfen werden, ist eine Finanzierung der Erneuerungen nur sehr schwer durchführbar. Eine Chance auf Erneuerung würde die Erhöhung des Netzzuschlags für die Kostendeckende Einspeisevergütung, auch KEV genannt, auf 2,3 Rappen bringen, die mit der Energiestrategie 2050 einhergehen würde.

Zwar wurde der Netzzuschlag KEV bereits durch den Bundesrat erhöht für das kommende Jahr, festgelegt wurde der Betrag von 1,5 Rappen pro Kilowattstunde, dies ist der mögliche Höchstbetrag, der nach dem momentan geltenden Bestimmungen möglich ist. Allerdings gibt es viel zu viele Projekte, die Antrag auf diese Unterstützung gestellt haben.

Meiringen II und III auf der Warteliste

Schon seit dem Jahr 2012 sind die Kraftwerke Meiringen II und III angemeldet und befinden sich seit dem Jahr 2013 auf der Warteliste bei der KEV, aber die Sanierung von Meiringen II und der Neubau von Meiringen III gestalten sich schwieriger, als man annimmt. Erst wenn das Projekt wirklich baureif ist, kann die Alpen Energie mit einem positiven Bescheid rechnen. Demnach ist es so, dass zunächst einmal eine Baubewilligung vorliegen muss, alternativ muss ein Bauentscheid der Gemeinde vorliegen. Aber selbst wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, bedeutet dies nicht, dass auch wirklich Gelder aus diesem Fördertopf in Richtung Meiringen fließen. Der Grund ist ganz einfach, es sind schlichtweg zu wenig Förderungsgelder vorhanden.

Fallende Preise Grund für zu wenig Förderungsgelder

Als Grund für die nicht ausreichenden Förderungsgelder wird der fallende Strompreis genannt. Dieser Fördertopf wird zum einem aus dem Netzzuschlag und zum anderen aus den Erträgen vom Stromverkauf der so unterstützten Anlagen gespeist. Der KEV wurde im Jahr 2009 eingeführt, seitdem hat sich aber der Strompreis um die Hälfte reduziert und liegt nun bei etwa 4 Rappen je Kilowattstunde. Daraus ergeben sich natürlich niedrigere Erträge, als man sich erhofft hatte. Dies ist eine große Differenz, die nun fehlt.

Anderes System in Deutschland inklusive staatlicher Förderung des Kohleabbaus

In Deutschland gibt es ein anderes System, hier wird eine größer werdende Differenz zwischen dem Marktpreis und den Mitteln der KEV-Förderung ganz einfach auf den Kunden abgewälzt. Dies ist aber nicht der einzige Unterschied, weiterhin fördert Deutschland auch noch den Kohleabbau für die Stromgewinnung. Dies sorgt dafür, dass die Strompreise umso stärker sinken. Nach Meinung des Meiringer Dorfrats Andres Fankhauser subventionieren die Stromkunden in Deutschland die tiefen Strompreise in der Schweiz.

Milliarden für den Kohleabbau in Deutschland

Noch immer wird in Deutschland rund 46 Prozent des benötigten Stroms aus Kohle gewonnen, und das, obwohl die Unterstützung erneuerbarer Energie stark angestiegen ist. Bundeswirtschaftsminister Gabriel hat erst letztes Jahr den Betreibern von Kohlekraftwerken ganze 1,6 Milliarden Euro versprochen dafür, dass sie bis zum Jahr 2019 schrittweise Braunkohleblöcke vom Netz nehmen, die eine Gesamtleistung von 2,7 Gigawatt aufweisen. Es ist aber auch so, dass die Betreiber jeden Block, den sie vom Netz genommen haben, noch vier Jahre behalten dürfen als Reserve. Dies macht den Wasserkraftwerksbetreibern in der Schweiz das Leben recht schwer, und selbstverständlich ist auch Meiringen hier keine Ausnahme. Aber auch die anstehende Marktöffnung treibt den Betreibern Sorgenfalten auf die Stirn.

Abschaltung oder Erneuerung?

Die ganzen auftretenden Probleme bei der Erneuerung der Anlagen in Meiringen sorgen dafür, dass sich der Betreiber Alpen Energie Gedanken darüber macht, ob nicht eine Abschaltung der Anlagen am Alpbach einfacher wäre als eine Erneuerung. Wenn dann der Strom eingekauft werden würde, könnte dies noch immer günstiger sein als eine Sanierung. Allerdings ist dies für die Gemeinde keinerlei Option. Die Begründung ist einleuchtend, laut Fankhauser würden heute mit der Hilfe des KEV so viele Anlagen gebaut, die nicht wirtschaftlich seien und überhaupt nicht hätten realisiert werden können ohne diese Fördergelder. Die Geschichte des Alpbachs zeige aber, dass man auch mit einem sehr geringen Aufwand eine sehr große Produktionsleistung erzielen könne, darum seien dort die ersten Wasserkraftwerke entstanden. Fankhauser ist überzeugt, dass dies für die Anlagen am Alpbach spreche. So bleibt der Gemeinde und dem Betreiber nur noch darauf zu hoffen, dass die Energiestrategie 2050 verabschiedet wird, und dass das Volk sie dann auch im Frühjahr 2017 beim Referendum annehmen wird.

Quelle: http://www.jungfrauzeitung.ch/artikel/146316/?platform=hootsuite

 


 

Klimaziele in Deutschland unerreichbar wegen der Braunkohle

Dabei ist die Stromerzeugung aus Braunkohle auch in Deutschland längst kein unumstrittenes Thema mehr. Sie ist auch der Grund dafür, warum das Land die Klimaziele, die es sich selbst gesteckt hat, nicht erreichen wird. Bis zum Jahr 2030 werden bei der Stromerzeugung insgesamt 60 Tonnen Kohlendioxid zu viel ausgestoßen werden. Zumindest ist dies der Fall, wenn man nach einer Studie des britischen Energiemarktforschungsinstitut Aurora Energy Research geht. Die Forscher schlagen daher Wege vor, wie die gesteckten Ziele doch noch erreicht werden können. Der erste Vorschlag der Forscher beschäftigt sich mit der Stilllegung aller Braunkohlekraftwerke. Steinkohlekraftwerke, die „vergleichsweise effizient“ arbeiten, sollten zunächst einmal ausgenommen werden von der Stilllegung.

Solch eine Maßnahme würde natürlich alle Stromerzeuger treffen, allerdings mit unterschiedlichen Auswirkungen. Am schlimmsten wäre RWE betroffen, dort liegt man sowieso auf Sparkurs und plant bereits, 1.600 Mitarbeiter zu entlassen. Alle Braunkohlekraftwerke, die sich im rheinischen Revier befinden, gehören der RWE. Ein kompletter Ausstieg aus der Braunkohle würde RWE noch weiter in die Enge treiben.

Quelle: http://www.wiwo.de/technologie/green/tech/studie-zu-emissionen-deutsche-klimaziele-unerreichbar-wegen-braunkohle/13858482.html

 


Kohle-Abbaugebiet von RWE verringert

Für RWE kommt es jetzt richtig heftig, denn nun hat auch noch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eine Verkleinerung des Kohle-Abbaugebiets Garzweiler II beschlossen, und diese fällt recht deutlich aus. Bisher durfte RWE hier 1,2 Milliarden Tonnen Braunkohle fördern. Jetzt wurde diese Menge um 400 Millionen Tonnen reduziert. Während die Grünen in Nordrhein-Westfalen dies bereits als „Einstieg in den Ausstieg aus der Braunkohle“ sehen, zittern immer mehr Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze.

Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/rwe-deutschlands-groesster-stromerzeuger-baut-weitere-stellen-ab/13843818.html

 


Hier noch ein interessantes Video zum Thema RWE und dem Braunkohle-Abbau

 

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