Die Wasserzinsen sind zu hoch

Energiegesetz 2050 ist verabschiedet. Kann die Wasserkraft profitieren?

Energiegesetz 2050 ist verabschiedet. Kann die Wasserkraft profitieren?

Am Sonntag hat sich die Schweiz ganz besonders deutlich für das neue Energiegesetz entschieden. Gerade die Gebirgskantone mit den vielen Wasserkraftwerken sprachen ein deutliches Ja dafür aus. Die Energiestrategie 2050 soll zukünftig dazu genutzt werden, um zum einen den Energieverbrauch in der Schweiz zu senken, und zum anderen auch gleich die Energieeffizienz zu erhöhen. Hier liegt der Fokus eindeutig auf den erneuerbaren Energien. Dabei soll der Bau neuer Kernkraftwerke komplett verboten werden.

Nach dieser eindeutigen Entscheidung führte die Berner Zeitung ein Interview mit dem Präsidenten der BKW Energie AG mit Sitz in Bern. Hier haben wir einmal die wichtigsten Fragen und Antworten von BKW-Präsident Urs Gasche zusammengefasst.

Kein Umkrempeln der Unternehmensstrategie bei einem Nein

Auf die Frage, ob sein Unternehmen die eigene Unternehmensstrategie hätte umkrempeln müssen, wenn sich die Schweizer gegen die Energiestrategie entschieden hätten, antwortete Gasche mit einem klaren Nein. Er betont, dass diese Abstimmung keine wesentlichen Auswirkungen auf die Firmenstrategie habe. Man habe sich bereits nach dem Unglück in Fukushima ganz neu ausgerichtet. Das Unternehmen sei sehr gut aufgestellt auf drei Standbeinen, Stromproduktion, Netze und Dienstleistungen. Somit sei man weder abhängig von den Strompreisen noch von der Politik.

Orientierung der Neuausrichtung

Auf die Frage, woran sich diese Neuausrichtung des Unternehmens orientiert habe, antwortete Gasche, dass dies die unternehmerische Notwendigkeit gewesen sein, das Unternehmen robust aufzustellen. Er bezeichnet das Stromgeschäft als ein sehr risikoreiches Geschäft. Man könne dort viel Geld verdienen, aber auch verlieren. Alles hinge am Strompreis, aber der sei nicht beeinflussbar. Recht hohe Mittel müssten investiert werden, die dann für viele Jahrzehnte gebunden blieben. Dementsprechend war das Ziel, das Portfolio breiter aufzustellen, und durch solche Ertragsquellen zu ergänzen, die nicht so hohe Investitionen erfordern, und somit kürzere Zeiträume für die Rückzahlung möglich machen.

Trift-Speicherwerk könnte einen Schub erhalten

Die nächste Frage beschäftigt sich mit einem Ausbauprojekt der Tochterfirma der BKW, KWO, am Grimelsee, und den Bau der Trift-Staumauer. Gefragt wurde, ob diese Projekte nun einen Schub erhalten würden. Gasche sieht hier eher einen möglichen Schub für das Trift-Speicherwerk. Damit könne die Stromproduktion nicht nur vergrößert werden, sondern man könnte sie auch besser regulieren. Mit dem Ja der Schweizer am Sonntag sei es nun möglich, Investitionsbeihilfen zu beantragen für bis zu 40 Prozent der dafür entstehenden Kosten. Kombiniert mit anderen geplanten Maßnahmen des Kantons sei es möglich, diese Projekte wirtschaftlich zu machen.

Noch wird Subventionsgesuch nicht eingereicht

Gasche führte aus, dass man zunächst die Ausführungsgesetzgebung abwarten müsse. Man könne keinerlei Entscheidung über eine Investition fällen, wenn nicht zuvor die Zuschüsse gesprochen seien. Dabei dürfe man nicht aus den Augen lassen, dass dieses Projekt auch mit allen Unterstützungsmaßnahmen noch immer ein Risiko bleibe für die BKW.

Einige Hilfen für die Wasserkraft werden nicht unterstützt

Auf die Frage, welche Hilfen für die Wasserkraft unterstützt würden antwortete Gasche, dass er die Marktprämie, die nun beschlossen sei, nicht unterstützt habe. Diese soll ein Ausgleich sein zwischen den Gestehungskosten und den Strommarktpreisen. Seiner Ansicht ist es so, dass diese nicht zweckgebundene Prämie nicht sehr sinnvoll ist, weil jeder mit dem Geld machen könne, was er wolle. Auch weitere Vorschläge, die im Raum stehen, hätten dieses Problem. Ein weiteres Problem sei, dass nur die Haushalte zahlen müssten, die in der Grundversorgung gebunden seien, vor allen Dingen das Gewerbe sei betroffen. Der Meinung von Gasche nach müsse ein Teil der Lösung eher von den Wasserzinsen kommen. Demnach sollten die Gebirgskantone auch weiterhin einen Teil der Abgabe erhalten, und zwar ganz unabhängig von der Entwicklung am Markt. So könnten sie budgetieren. Er ist aber der Meinung, dass die Wasserzinsen zu hoch seien für ein Geschäft, in dem laut Gasche niemand mehr etwas verdiene.

Der Verdienst der BKW an der Marktprämie

Die nächste Frage bezieht sich darauf, wie viel die BKW in Zukunft an der Marktprämie und der erhöhten KEV verdient. Laut Gasche erhält das Unternehmen von den 120 Millionen Franken, die die Stromunternehmen erhalten sollen, Beträge, die sich im einstelligen Millionenbereich befinden. Anders sehe die Sache bei der KEV aus. Diese decke lediglich die Kosten ab, inklusive der Kapitalkosten.

Verhinderung von Stromausfällen

Wenn die Schweiz die Wind- und Solarkraft ausbaut, wird die Stromproduktion schwer planbar. Die Frage an Gasche dazu lautete, wie man diese häufigen Stromausfälle zu verhindern gedenkt. Gasche antwortete darauf, dass etwa 40 Prozent der momentanen Stromproduktion fehlen werde, wenn die AKW vom Netz gehen. Seiner Meinung nach ist es illusorisch, dies durch Windenergie und Photovoltaik ersetzen zu wollen. Das zusätzliche Potential der Wasserkraft sei auch zu gering. Ein Zubau von Wasserkraft sei wahrscheinlich nicht einmal dazu geeignet, die Produktionseinbussen der Großwasserkraft zu kompensieren, die diese durch die Klima­erwärmung und durch schärfere Vorgaben zu Restwassermengen erleidet. Die Geothermie sei seiner Meinung nach eher Zukunftsmusik. Die Biomasse sei schon weitgehend ausgeschöpft. Im Bereich der Windenergie gebe es für die BKW lediglich ein Projekt in der Schweiz, das sich allerdings auch noch in der Bewilligungsphase befinde.

Gasche sieht großes Potential in der Photovoltaik. Dafür benötige man aber Batterien oder auch andere Speichertechniken. Die Entwicklung gehe hier zwar rasant voran, ein Problem sei es aber, wenn die Atomkraft schneller wegfalle, als Speicher zur Verfügung stehen. Dann müsse man Strom importieren. Wesentlich wird aber seiner Meinung nach der Beitrag der Energieeffizienz sein. Für alles andere habe man ja über die Energiestrategie 2050 abgestimmt, da bliebe Zeit.

Gaskraftwerk keine Alternative

Schon jetzt sei es so, dass die Schweiz vor allen Dingen im Winter mehr Strom importieren müsse. Die nächste Frage war dann, ob der Bau eines Gaskraftwerks für die BKW eine Alternative sei. Für Gasche ist dies kein Thema. Man wolle auch ein früheres Projekt dazu nicht wieder aufnehmen. Seitens der BKW erwarte man auch keinen wirklichen Strommangel im Winter in den nächsten Jahren. Dennoch sei es notwendig, über die Versorgungssicherheit zu diskutieren. Der Grund dafür sei, dass auch Frankreich seine Kernkraftwerke abschalte, und Deutschland steige aus der Kohle aus. Seitens der BKW plädiere man für einen Kapazitätsmarkt. Dabei garantierten Unternehmen ganz bestimmte Stromlieferungen gegen Geld. Dadurch sollten Investitionen ausgelöst werden für den Erhalte der bereits bestehenden Wasserkraftwerke. Die Politik müsse entscheiden, ob bei diesem Marktmodell auch Gaskraftwerke eine Rolle spielen.

Zur Frage, wer ein neues Gaskraftwerk betreiben solle antwortete Gasche, dass der Staat diese Leistung versteigern könne. Dabei sei es nicht notwendig, dass der Zuschlag an einen Stromkonzern geht, auch ein Industriebetrieb käme in Frage.

Batterietechnik geht rasant voran – werden Speicherkraftwerke benötigt

Gasches Meinung nach sei es so, dass es sich auch in Zukunft lohnen könne, für den Winter Wasser bereitzuhalten in den Speicherseen. Er ist der Meinung, dass die Batterietechnologie nach dem heutigen Stand keine Lösung sei für eine saisonale Speicherung. Das Pumpspeichermodell sei tot, es sei denn ein Kernkraftwerke fällt unerwartet aus, so wie es im vergangenen Winter der Fall gewesen sei.

Quelle: http://www.bernerzeitung.ch/bernerzeitung-print/die-wasserzinse-sind-zu-hoch/story/19650754

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