Energie- und Stromspeicher der Zukunft

Wasserstoff als Speicher für überschüssige erneuerbare Energien. Das Unternehmen Sunfire arbeitet an innovativen Technologien.

Wasserstoff als Speicher für überschüssige erneuerbare Energien. Das Unternehmen Sunfire arbeitet an innovativen Technologien.

Eigentlich ist es absolut klar, dass den erneuerbaren Energien die Zukunft gehört. Irgendwann werden Öl und Gas nicht mehr als Brennstoff zur Verfügung stehen, und dann ist die Auswahl nicht mehr sonderlich groß. Dementsprechend setzt man nun verstärkt auf die erneuerbaren Energien. Allerdings gibt es da immer wieder eine Frage: Wie speichert man erneuerbare Energien? 

 

 

 

Lösung könnte aus Dresden kommen

Diese Frage stellen sich viele Menschen. Und etliche Wissenschaftler forschen bereits zu diesem Thema. Die Lösung für diese Frage könnte jetzt aus Dresden kommen, wo das Unternehmen Sunfire einen Kraftstoff entwickeln konnte, der ganz ohne jegliches Erdöl entstanden ist. Das Unternehmen Sunfire wurde im Jahr 2010 von Christian von Olshausen zusammen mit zwei weiteren Mitstreitern gegründet. Innerhalb kürzester Zeit ist es dem Unternehmen gelungen, einen künstlichen Dieselkraftstoff zu erfinden, der aus Ökostrom, Wasser und Kohlendioxid besteht. Schon im Jahr 2015 flossen die ersten fünf Liter der Test­anlage des Unternehmens in den Dienstwagen von Johanna Wanka, der Bundesforschungsministerin. Somit wurde bewiesen, dass die Erfindung von Sunfire funktioniert.

Kompliziertes Verfahren – noch zu teuer

Diese Erfindung hat natürlich für Aufmerksamkeit gesorgt. Mittlerweile arbeiten mehr als 90 Mitarbeiter für das Unternehmen. Und Erdöl ist nicht das einzige, das ersetzt werden kann. Das Kohlendioxid, das für die Produktion benötigt wird, kann ganz einfach aus der Luft gezogen werden, diese enthält sowieso genug davon. Es handelt sich hier allerdings um ein recht kompliziertes Verfahren, und es ist bisher noch zu teuer, weshalb es nur sehr selten angewandt wird. Dennoch sieht Firmengründer von Olshausen seine Vision nicht als gescheitert an, er ist der Meinung, dass der höhere Preis lediglich eine weitere Etappe ist zu dem gesteckten großen Ziel. Dieses Ziel ist für ihn eindeutig, er möchte erneuerbare Energien verfügbar machen, und zwar immer und überall.

Speicherung von erneuerbaren Energien – eine große Herausforderung der Energiewende

Natürlich gibt es in der Energiewende einige Herausforderungen, eine der größten ist sicherlich die Speicherung des Stroms aus Wasserkraft, Windkraft und Sonnenkraft, so dass er immer einsetzbar ist. Es gibt in der Branche einen Begriff für die möglichen Technologien, diese werden bezeichnet als Power-to-X. Allerdings ist es bisher so, dass sich dieses komplette Feld noch mitten in der Entwicklung befindet. Dies ist zur Zeit nicht weiter schlimm, da die erneuerbaren Energien zur Zeit einen geringeren Anteil an der Stromerzeugung haben. Somit wird diese Technologie erst interessant, wenn der Anteil der erneuerbaren Energien steigt und es somit darum geht, die überschüssige Energie auch richtig zu nutzen. Mögliche Wege gibt es viele, welche aber nun diejenige sein wird, die am effizientesten ist, steht noch in den Sterne. Ein Hauptfaktor ist hier die weitere technische Entwicklung. Fest steht lediglich, dass es sich hier um eine essenzielle Zukunftstechnologie handelt.

Eine Idee, etwas Mut und jede Menge Neugierde

Die drei Gründer von Sunfire hatten eine gute Idee, und sie haben mit etwas Mut den Schritt in eine recht ungewisse Zukunft gewagt, dann die Diskussion rund um dieses Thema steckte zu dem Zeitpunkt der Gründung noch in den Kinderschuhen. Allerdings sind sie nicht einfach blauäugig in ein Abenteuer gestolpert, sondern gaben zunächst einmal eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. So konnten sie feststellen, ob diese Idee überhaupt eine Chance hat. Ein wichtiger Punkt war hier auch festzustellen, ob man die geplanten Produkte überhaupt möglichst wirtschaftlich produzieren könnte. Nachdem die Studie grünes Licht gegeben hat, übernahmen die drei im Jahr 2011 das Unternehmen Staxera aus Dresden. Diese Firma hatte sich spezialisiert auf gekoppelte Brennstoffzellen, den sogenannten Brennstoffzellen-Stacks. Die Weiterentwicklung dieser Brennstoffzellen stellt bis heute das Herz des Unternehmens dar. Allerdings sind die Zellen von Sunfire etwas anders als herkömmliche Zellen, denn sie funktionieren in zwei Richtungen. Sie sind in der Lage, aus Wasserstoff Strom zu erzeugen, aber auch aus Strom Wasserstoff, und dafür wird lediglich eine Anlage benötigt.

Reversible Elektrolyse – Technologie der Zukunft

Dieser Prozess ist auch bekannt als reversible Elektrolyse. Sunfire ist nicht das einzige Unternehmen, das an diesem Prozess forscht, allerdings sei kein Unternehmen so weit wie sein eigenes Unternehmen, so von Olshausen. Erst im letzten Herbst konnte eine erste Anlage an Boeing ausgeliefert werden. Diese Anlage ist in der Lage, aus überschüssiger Solarenergie Wasserstoff nicht nur herzustellen, sondern auch zu speichern. Sollte es dann zu einem Stromengpass kommen ist die Anlage in der Lage, aus diesem Wasserstoff wieder neuen Strom zu erzeugen. Sunfire geht aber noch einen Schritt weiter, hier soll die Technologie nicht nur als Energiespeicher eingesetzt werden. Von Olshausen möchte den so erzeugten Wasserstoff auch in der chemischen Industrie nutzen als Rohstoff. Während Wasserstoff für gewöhnlich aus Erdgas gewonnen wird, benötigt die Technologie von Sunfire dafür lediglich Ökostrom, Wasserdampf und Kohlendioxid. Von Olshausen betont, dass man helfen wolle, erneuerbare Energien nicht nur im Bereich Strom einzusetzen, sondern auch in der chemischen Industrie. Mehr als drei Millionen Endprodukte würden dort hergestellt. Es sei nicht möglich, alle durch nachhaltige Alternativen aufzufangen, aber man könne versuchen, das für viele Produkte benötigte Erdöl und Erdgas durch Rohstoffe zu ersetzen, die nachhaltig erzeugt worden seien.

Guter Umsatz aber noch nicht kostendeckend

Nur weil man eine gute Technologie hat bedeutet dies nicht gleich, dass viel Geld verdient wird. Zwar kann das Unternehmen einen Umsatz im oberen einstelligen Millionenbereich verzeichnen, bisher kann es aber noch nicht kostendeckend arbeiten, so von Olshausen. Daher stehe als erstes Ziel auf dem Plan, das Unternehmen in den nächsten Jahren profitabel zu machen. Es gibt durchaus bereits namhafte Partner, die für die Weiterentwicklung wichtig sind. So hat Bilfinger bereits investiert, in Kooperation mit dem Hersteller Vaillant wird bereits ein Brennstoffzellenheizgerät angeboten, und mit Audi steht das Unternehmen bereits im Austausch. Eine Erhöhung der Stückzahl ist die nächste Etappe, so können die Produkte günstiger angeboten werden. Weiterhin werde auch gearbeitet an dem Wirkungsgrad ihrer Anlagen, und auch an der Brennstoffzellen-Lebensdauer.

Fossile Brennstoffe immer billiger

Ein sehr großes Problem ist sicherlich, dass fossile Brennstoffe immer um einiges billiger sein werden als Brennstoffe, die nachhaltig hergestellt wurden, zumindest so lange, wie die fossilen Rohstoffe noch in recht großen Mengen zur Verfügung stehen. Letztendlich sei es eine gesellschaftliche Entscheidung, so von Olshausen, ob ein Markt für erneuerbare Kraftstoffe und auch Chemikalien geschaffen wird. Jetzt sei es an der Politik, die passenden Rahmen­bedingungen zu schaffen. Er sei absurd, dass ein erdölfreier Kraftstoff zur Zeit ebenso hoch besteuert werde wie ganz normaler Diesel. Zudem ist von Olshausen der Meinung, dass auch die chemische Industrie Anreize benötigen werde, um umzusteigen auf grünen Wasserstoff. Die Technologie sei vorhanden, nun sei noch der Wille notwendig, diese Technologie auch zu nutzen.

Quelle: https://www.brandeins.de/wissen/macher-sachsen/sunfire-dresden-christian-von-olshausen-sonnige-zeiten/

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