Erneuerbare Energien und der Atomausstieg in der Schweiz, ein kontroverses Thema

Energiewende in der Schweiz

Energiewende in der Schweiz – Solar-, Wind- und Wasserkraft sollen bereits die Hälfte der benötigten Energie der Schweiz zur Verfügung stellen können.

Raus aus der Atomenergie – rein in die erneuerbaren Energien. Nicht nur in Deutschland ist dies seit einigen Jahren ein Thema, auch in der Schweiz hat man bereits vor fünf Jahren beschlossen, aus der Atomkraft auszusteigen.
 
 
 
 

Atomausstieg in der Schweiz – beschlossene Sache

Der Atomausstieg ist fast überall ein Thema, nur wird dieser Ausstieg in jedem Land anders gehandhabt. Nachdem der Bundesrat der Schweiz den Atomausstieg beschlossen hat, wurden bereits rund zehn Milliarden Franken von den Schweizer Kraftwerken in Energieparks investiert. Allerdings gibt es immer wieder Gegner die bezweifeln, dass es wirklich machbar ist, dass die erneuerbaren Energien in dem festgelegten Zeitraum auch wirklich den Atomstrom ersetzen können.

Studie zeigt positiven Trend

Laut einer Studie soll es so sein, dass bereits jetzt die Hälfte des gesamten Strombedarfs der Schweiz durch erneuerbare Energie ersetzt werden könnte. Dementsprechend soll bereits die Hälfte des Weges erreicht sein. Die Studie, erstellt von „Energie Zukunft Schweiz“, kurz EZS, die kürzlich veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Solar-, Wind- und Kleinwasser-Kraftwerke schon zu diesem Zeitpunkt die benötigte Energie bereitstellen können.

Der Atomausstieg ist auf Kurs

Die AKWs der Schweiz produzieren im Jahr etwa 22 Terawattstunden Strom. Laut der Studie ist es so, dass neue Anlagen jetzt auch bereits rund 10 TWh Strom produzieren. Die in der Schweiz betriebenen Anlagen profitieren von der KEV, der kostendeckenden Einspeisevergütung. Diese erzeugen knapp 3,4 TWh im Jahr. Dazu kommt noch der Strom, den Anlagen aus dem Ausland liefern, hier beläuft sich die Menge auf mehr als 6,5 TWh im Jahr. Weiterhin sei es so, dass noch weitere Kraftwerke vor dem Bau stünden, die noch einmal 4 TWh jährlich liefern sollen. Somit sei es so, dass die drei ältesten Atomkraftwerke der Schweiz, Beznau 1 und 2 sowie das Kraftwerk Mühleberg schon ersetzt seien.

Überraschende Fakten – erneuerbare Energien unterschätzt?

Dies sind Fakten, die die meisten etwas überraschen. Der Autor der Studie, Aeneas Wanner, sagte dazu, dass man die Dynamik rund um die Energiewende unterschätzt habe. Viele der Energieversorger, die eher auf konventionelle Energieproduktion setzten, führen nun Verluste ein, so Wanner. Eine positive Bilanz zieht auch Stefan Batzli von der AEE Suisse, der Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energie und Energieeffizienz. Er sagte, dass man auf Kurs sei mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Allerdings sei im Inland nun nicht mehr viel möglich, so Batzli.

Gute Zahlen – aber auch ein Haken

Dies sind allgemein recht gute Zahlen, allerdings gibt es fast nichts Positives, das nicht auch eine negative Seite hat. Auch hier ist es so, der Haken ist dabei eindeutig der Import von Strom aus dem Ausland. Dies liegt daran, dass viele der neuen Kraftwerke nicht in der Schweiz gebaut werden, sondern im Ausland. Laut EZS ist es so, dass die Rahmenbedingungen im Ausland einfach besser seien, daher würde dort im großen Stil in solche Anlagen investiert. Zu diesen Rahmenbedingungen zählen nicht nur die attraktive Vergütung und die schnellere Bauabwicklung, sondern auch eine günstigere Planung. Auch Standorte, die besser geeignet sind, kommen hinzu, ganz besonders bei der Windenergie.

Importe bieten geringe Versorgungssicherheit

Somit steht fest, dass ein recht hoher Anteil an erneuerbaren Energien nicht in der Schweiz produziert werden kann, sondern importiert werden muss. Daraus ergibt sich allerdings eine recht geringe Versorgungssicherheit. So schön, wie das Bild der erneuerbaren Energien zur Zeit auch gezeichnet wird, dies ist ein Punkt, der viele Schweizer verunsichert. Auch das Bundesamt für Energie schreibt, dass der in der Schweiz verfügbare Strom wichtig sei, um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten.

Abhängigkeit und Wetter

Wer möchte schon gerne abhängig sein von Zulieferern aus einem anderen Land? Und Unabhängigkeit war für die Schweiz ja immer schon ein wichtiges Thema. Auch zum Thema ausreichender Strom gibt es unterschiedliche Meinungen, während Kurt Lanz, Economiesuisse, davon überzeugt ist, dass die heutige Netzkapazität nicht ausreichend sei, um die notwendige Versorgung der Schweiz aus dem Ausland sicherzustellen, ist Eric Nussbaumer (Nationalrat SP/BL) hier ganz anderer Meinung. Dennoch ist auch er gegen eine Abhängigkeit von Strom aus dem Ausland. Eine Abhängigkeit bleibt aber, und zwar die von Sonne und Wind. Zu wenig Wind oder jede Menge Wolken sorgen dafür, dass die Schweiz entweder Energie erzeugen muss mit Hilfe von Braun- oder Steinkohle, oder eben den Strom von AKWs aus dem Ausland beziehen muss. Während Kurt Lanz solch eine Wende eher als Scheinwende ansieht, zeigte Nussbaumer eine Lösung auf, die beispielsweise in Pumpspeicherkraftwerken liege.

Quelle: http://bazonline.ch/schweiz/standard/haelfte-des-atomausstiegs-ist-geschafft/story/10823253

 


 

Meinungen zu dieser Studie

Die Meinungen zu dieser Studie sind sehr unterschiedliche. Da die EZS eine Organisation ist, die sich für den Ausbau von erneuerbaren Energien einsetzt liegt natürlich die Vermutung nahe, dass es sich hier um eine „Propagandestudie“ handelt, wie ein Leser in einem Kommentar zu dem Artikel schrieb. Auch die Kosten wurden von diesem Leser angesprochen, beispielsweise für die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, weil Gewerbe und Industrie den Strom nicht mehr bezahlen könnten. Oder auch die Auswirkungen, die der Bau von Kraftwerken auf die Natur haben könnte in Anbetracht dessen, dass die Schweiz für Touristen sehr attraktiv sei.

Auch die Angaben zur Menge des produzierten Stroms aus Wind- und Solarenergie wird bemängelt, ein Leser führt an, dass diese Kraftwerke diese Menge Strom nur produzieren an einem sonnigen und windigen Sommertag, und dann nur über die Mittagszeit.

Angst vor Abhängigkeit

Recht oft wird auch die Befürchtung geäußert, dass man nicht mehr ausreichend Strom zur Verfügung habe, wenn jemand auf die Idee käme „den Hahn einfach abzudrehen“. Dann wären doch wieder die AKWs des Landes gefragt, um die Stromversorgung sicherzustellen.

Solarenergie und Stromspeicherung

Erneuerbare Energien sind sinnvoll, aber nicht zuverlässig – das ist eine oft genannte Meinung. Scheint die Sonne im Jahr nicht oft genug, kann die Solarenergie nicht die Mengen erzeugen, die man sich erhofft hat. Allerdings betont ein Leser in seinem Kommentar, dass man im Solarbereich bereits seit längerem an der Stromspeicherung arbeite, und dass man in gut zehn Jahren dort Erfolge hätte und das Problem somit gelöst sei.

Energiewende – „wettbewerbsverzerrende Geldverbrennungsmaschine“

Dies stammt aus einem der Kommentare zu diesem Artikel. Es zeigt recht deutlich, wie unterschiedlich die Meinungen zum Thema erneuerbare Energien sind. Die einen befürworten sie, und das nicht nur aus Umweltschutzgründen. Andere sehen es einfach so, dass viel Geld an Fördersubventionen an die Öko-Lobby fließen, und der Strom für die Bürger teurer wird. Dies sei „undemokratisch und völlig am Volk vorbei“.

 

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Fazit:

Befürworter, Gegner, Zweifler und Skeptiker – immer, wenn ein solcher Bericht zu einer solchen Studie auftaucht, treffen sich alle und geben ihre Meinungen, und sehr oft auch ihre Weisheiten zum Thema dazu. Das ist selbstverständlich vollkommen in Ordnung, dennoch artet dies sehr schnell in eine verbale Schlacht aus, und das eigentliche Thema, der Ausstieg aus der Atomenergie, der sicherlich eine gute Sache ist, rückt immer in den Hintergrund.

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