Proteste gegen Wasserkraft in Myanmar

Sonnenuntergang am Irrawaddy Fluss. Wie lange diese Idylle noch so erhalten bleiben wird, hängt von der Regierung ab.

Sonnenuntergang am Irrawaddy Fluss. Wie lange diese Idylle noch so erhalten bleiben wird, hängt von der Regierung ab.

Strom exportieren und damit jede Menge Geld verdienen – dies ist selbstverständlich eine sehr lukrative Aussicht. Viele Länder möchten gerne auf diesen Zug aufspringen, und dann entstehen auch schon einmal Projekte, die weder auf die Umwelt noch auf die Menschen, die in den betroffenen Regionen leben, Rücksicht nehmen. So wie in Myanmar.

 

Gerade ärmere Länder dieser Welt sieht in regenerativen Energien ihre Zukunft, vor allen Dingen in der Wasserkraft. Auch in Myanmar ist dies nicht anders. Bis zum Jahr 2011 war dort das Militär an der Macht und hinterließ ein Trümmerfeld. Myanmar war einst bekannt als Kornkammer Asiens, und nun soll die Wasserkraft dafür sorgen, dass Myanmar wieder den Anschluss findet an die moderne Welt.

Einnahmen könnten in die Armee fließen

So schön die Vorstellungen der Regierung auch sind, die Einwohner von Myanmar fürchten nicht nur um ihre Heimat, sondern auch um die Felder und die Kultur. Auch Umweltschützer können es nicht fassen. So ist es kein Wunder, dass in Myanmar die Menschen auf die Straßen gehen und gegen die geplanten Wasserkraftwerke protestieren. Bei Protesten am Salween-Fluss argumentierten sie, dass der Fluss ihre Lebensgrundlage sei. Die Befürchtungen der Menschen der Region sind sicherlich nicht unbegründet, sie gehen davon aus, dass die Einnahmen für den Strom, der ins Ausland verkauft wird, an die Zentralregierung geht und somit gleich direkt weiter in die Armee, die mit dem Geld modernisiert werden soll.

Hatgyi Damm soll Strom für Thailand und China produzieren

Der geplante Hatgyi Damm befindet sich im Gebiet es Karen-Volkes. Dieses misstraut der Regierung sehr, kein Wunder, nachdem das Volk jahrzehntelang von der Regierung unterdrückt wurde. Die Investoren für dieses Kraftwerk kommen sowohl aus Thailand als auch aus China. Rund 90 Prozent des erzeugten Stroms sollen in diese beiden Länder verkauft werden. Das dort geplante Wasserkraftwerk ist größer als das bisher größte Pumpspeicherkraftwerk in Deutschland, das Kraftwerk Goldisthal. Dieses produziert 1.060 Megawatt, das Wasserkraftwerk Hatgyi soll 1.360 Megawatt produzieren. Allerdings ist dies ein eher kleines Kraftwerk verglichen mit den anderen mehr als 80 Wasserkraftwerken, die Myanmar in der Planung hat. Dies zeigt, wie groß die Pläne der Regierung im Bereich Wasserkraft sind.

 

 

Megakraftwerk Myitsone am Fluss Irrawaddy

Ganze 20 Milliarden Dollar soll es kosten, und bis zu 6.000 Megawatt an Strom produzieren – das Megakraftwerk Myitsone. Der Strom wird größtenteils nach China geliefert werden. Um dies zu schaffen, ist ein Stausee von der Größe Manhattans notwendig. Wenn es fertiggestellt ist, würde dieses Kraftwerk zu den 20 größten auf der ganzen Welt gehören. Große Zahlen für ein großes Projekt. Es gibt aber noch weitere große Zahlen, denn für den Bau dieses Wasserkraftwerks würden Angaben von Menschenrechtlern nach etwa 12.000 Menschen vertrieben werden. Im Jahr 2011 wurde der Bau dieses Kraftwerks gestoppt, nachdem es zu massiven Protesten gekommen war. Allerdings ist dies nur ein vorübergehender Stopp, jederzeit kann das Projekt wieder aufgenommen werden. Seitens des Investors aus China wird bereits großer Druck ausgeübt, er hat bereits angekündigt, dass er die investierte eine Milliarde Dollar wieder zurückverlangen werde, sollte der Bau nicht weitergehen.

Großteil der Bevölkerung hat keinen Strom

Insgesamt hat das Energieministerium rund 200 Standorte ausgemacht für Wasserkraftanlagen. Es könnten problemlos 100.000 Megawatt Strom produziert werden, so das Ministerium. Den Angaben der Weltbank nach sind es bisher allerdings lediglich 3.000 Megawatt.

Korruption – ein großes Thema

Sehr große Pläne, von denen die Bevölkerung offensichtlich nicht sonderlich profitieren wird, denn bisher hat gerade einmal etwa ein Drittel der gesamten Bevölkerung überhaupt Strom. Die Entwicklungsbank verkündete derweil, dass man daran arbeite, „in Myanmar das Licht anzumachen“. Experten zweifeln dies an. Sie sehen das Problem darin, dass es in Großprojekten auch immer eine große Korruption gebe, und dass die Gesetze für den Schutz der Menschen und der Umwelt eher schlecht sind.

Viele offene Fragen zum Projekt

Auch wenn man einmal das besondere Verhältnis der Myanmarer mit ihren Flüssen außer Acht lässt, gibt es sehr viele offene Fragen. Ein Umweltingenieur hat das Projekt Myitsone gründlich unter die Lupe genommen gemäß den internationalen Standards, also dem wirtschaftlichen Sinn, der Sicherheit, der Umweltverträglichkeit und auch die Akzeptanz der Anwohner. Er kam zu einem sehr ernüchternden Fazit, seiner Meinung nach macht dieses Projekt keinerlei Sinn. Folgende Punkte führte er auf:

  • Keine garantierten Strommengen
  • Keine Langzeitstudien bezüglich Regenfall, Verdunstung und eventuellem Einfluss des Klimawandels verfügbar
  • Geologische Verwerfungslinie direkt unter dem Stausee, niemand kann die Auswirkungen des Wassers voraussagen
  • Ungewisse Zukunft der sechs Millionen Menschen am Irrawaddy Fluss

 

Weitere Faktoren die Fragen aufwerfen

Es gibt aber noch weitere Faktoren, die Fragen aufwerfen, beispielsweise die Zukunft der Fische. Der Damm entsteht genau am Zusammenfluss von zwei Strömen. Das ist bis dahin noch nichts Besonderes, allerdings bringt einer kaltes Wasser mit sich, der andere warmes Wasser. Somit würde sich eine Störung des Wasserklimas ergeben, und die Auswirkungen auf die Fische im Fluss können nicht abgesehen werden. Weiterhin stellt sich auch die Frage, wie die Felder bewässert werden, wenn der Wasserfluss reduziert wird. Noch dazu gibt es ja auch Schifffahrt auf dem Fluss, dazu gebe es auch keinerlei gründliche Untersuchungen.

Umweltorganisationen setzen auf kleine Wasserkraft-Projekte

Auch die Umweltorganisationen sind Wasserkraftwerken nicht abgeneigt, allerdings setzen sie eher auf kleinere und lokale Projekte, die in erster Linie die Anwohner mit Strom versorgen sollen, nicht andere Länder.

Quelle: http://hlpus.us/z9uj#www.sueddeutsche.de


 

Chinesen investieren gerne – mit oft rüden Methoden

Investoren aus China tragen ihr Geld sehr gerne in andere Länder, vor allen Dingen in Schwellen- und Entwicklungsländer. Das Wachstum des Marktes in China schwächt sich ab, somit fühlen sie sich immer mehr zum Ausland hingezogen. Allerdings verfügen sie nur über sehr wenig Erfahrung damit, wie man mit fremden Kulturen umgeht. In China müssen sie auf nichts Rücksicht nehmen, und ebenso agieren sie auch in fremden Ländern. Allerdings treffen sie dort immer öfter auf Widerstände, mit denen sie nicht gerechnet haben. Während chinesische Investoren jahrelang vor allen Dingen in Afrika sehr beliebt waren, wendet sich hier jetzt das Blatt. Sambia, Myanmar, Nicaragua – die Liste der Länder, die jetzt Widerstand leisten, ist recht lang.

Quelle: http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4993528/Wie-ein-Chinese-im-Porzellanladen


 

Reispreise steigen durch fehlende Niederschläge in Südostasien

Erst im April führten fehlende Niederschläge in Myanmar, aber auch in Thailand, Vietnam, Indonesien und Malaysia zu einem Wassermangel, der schon als dramatisch bezeichnet werden kann. Dort gibt es ganze Landstriche, die bereits seit einigen Monaten trockengefallen sind. Im Herbst letzten Jahres sei deutlich weniger Regen gefallen als üblich, eine solche Trockenheit hat es in Thailand beispielsweise seit 1994 nicht mehr gegeben. Verantwortlich dafür soll das El Niño-Phänomen sein. Dieses sorgt dafür, dass der Regen nun nicht mehr dort und zu dem Zeitpunkt fällt, wie dies früher der Fall gewesen ist. Dies sind sicherlich keine günstigen Voraussetzungen für den Bau von einer solchen Menge an Wasserkraftwerken.

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/47/47927/1.html

 

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