Stromerzeuger machen erstmals seit Jahrzehnten Verluste

Wasserkraftwerk Mühleberg bei Bern in der Schweiz. Zum ersten Mal müssen die Stromerzeuger im Land Verluste hinnehmen.

Zum ersten Mal sein ein paar Jahrzehnten fahren die Stromerzeuger in der Schweiz Verluste ein. In der Schweiz gibt es etwa 330 Stromversorger, die für das Jahr 2015 zum ersten Mal seit vielen Jahren Verluste einstecken musste. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Monopolisten und den anderen Anbietern, die recht groß sind.

 

 

 

Monopolisten und andere Anbieter

Während die Monopolisten noch immer rentabel sind, haben es die Anbieter, die dem Markt ausgesetzt sind, erheblich schwerer. Einige kämpfen mittlerweile um Überleben. Die Branche in der Schweiz ist zweigeteilt. Der Strommarkt ist dort halb geöffnet. Es gibt dort sehr große Stromkonzerne so wie beispielsweise Alpiq oder Axpo, die aber nicht die Privathaushalte oder auch gebundene Kunden bedienen zu Preisen, die garantiert kostendeckend sind, und dadurch in Schwierigkeiten geraten. Grund dafür ist das Sinken der Großhandelspreise in Europa. Sie sind mittlerweile soweit, dass sie die Politik um Hilfe bitten. Alle Elektrizitätswerke, die für die Grundversorgung zuständig sind, haben für gewöhnlich keine Probleme durch die Monopolrenten.

Erstmals rote Zahlen für die Branche

In der gesamten Branche ist es nun so, dass die Verluste im Jahr 2015 weitaus höher wiegen als die Gewinne. Die Elektrizitätsstatistik des Bundesamts für Energie, die gerade veröffentlicht worden ist, zeigt dies recht deutlich. In dieser Statistik sind in etwa 330 Elektrizitätsunternehmen zusammengefasst, und diese wiederum erfassen rund 90 Prozent der kompletten Stromproduktion. Noch im Jahr 2013 konnte die Branche eine Gewinn erwirtschaften von etwa 2,5 Milliarden Franken. Schon ein Jahr später begann der Gewinn zu schrumpfen, es gab lediglich noch einen Gewinn von 800 Millionen Franken. Nur ein Jahr später schreibt die Branche einen Gesamtverlust von sage und schreibe 190 Millionen Franken. Zwei Jahrzehnte lang konnte die Branche zuvor Gewinne ausweisen. Diese erreichten im Spitzenjahr 2009 sogar eine Betrag von beinahe 4 Milliarden Franken. Dann aber fing der Absturz an, denn die Großhandelspreise in Europa fielen sehr massiv. Gleichzeitig öffnete sich der Mark in der Schweiz aber auch für Großverbraucher.

Ende ist noch nicht in Sicht

Diese schlechten Zahlen sollen aber wohl noch nicht das Endergebnis sein, man geht davon aus, dass es noch weiter nach unten gehen wird. Es ist weiterhin so, dass die europäischen Großhandelspreise fallen. Zudem ist es auch so, dass die Spuren des Preiszerfalls teilweise erst mit einer Verzögerung zu sehen sind, diese kann aufgrund von Absicherungsgeschäften, die einige Stromkonzerne durchgeführt haben durch Terminmärkte, durchaus bis zu zwei Jahre betragen. Geschätzt wird, dass die Verschlechterungen seit dem Jahr 2015 bei den Anbietern, die keine Monopolrenten besitzen, erneut ein paar hundert Millionen Franken ausmachen können.

Großer Teil des Wasserkraft-Stroms wird nicht in Monopolen abgesetzt

Beim Strom, der aus Wasserkraft erzeugt wird ist es so, dass rund die Hälfte nicht in Monopolen verkauft wird. Seitens der Bundesrats der Schweiz wird der Verlust für diesen Anteil auf Seiten der Produzenten auf rund 300 Millionen Franken jedes Jahr geschätzt, ausgehend von den momentanen Marktpreisen. Vertreter der Branche sehen das ganz anders, sie schätzen den Verlust auf rund 500 Millionen Franken.

Wasserkraft wird subventioniert

Wasserkraft ist nicht nur sehr umweltfreundlich, in der Schweiz gilt sie zudem als absolut urschweizerisch. Die Energievorlage, die die Schweizer erst im Mai diesen Jahres angenommen haben, sorgt für eine Sondersubvention von 120 Millionen Franken im Jahr, die den bereits bestehenden Großwasserkraftwerken zu Gute kommt. Für eine weitere Entlastung, diesmal bei den Standortkantonen, soll eine Reduktion der Wasserzinsen sorgen, die vom Bundesrat vorgeschlagen wurde. Hier soll es zu einer Entlastung von 150 Millionen Franken im Jahr kommen. Somit ergibt sich eine Gesamtentlastung im Jahr von 270 Millionen Franken. Davon sollen laut der Bundesschätzung rund 200 Millionen Franken auf die Wasserkraftproduzenten entfallen, die unter dem Gewinnrückgang leiden.

Zusatzsubvention für Wasserkraft abgelehnt

Der Nationalrat hatte erst Ende Mai diesen Jahres eine Zusatzsubvention in Höhe von geschätzt 500 Millionen Franken im Jahr für die Wasserkraft abgelehnt. Zudem stellten auch große Stromkonzerne fest, dass ein Konkurs ihrer Unternehmen nicht bedeutet, dass die entsprechenden Wasserkraftwerke am Ende sind. Wasserkraftwerke, die günstig aus einer Konkursmasse gekauft werden, können weiterhin rentabel betrieben werden. Im Endeffekt sind Betreiber von Wasserkraftwerken also anscheinend nicht wirklich relevant. Fakt ist allerdings, dass alle Stromkonzerne ohne Monopolrenten zur Zeit einen weitaus schwereren Stand haben als die Versorger, die über gebundene Kunden verfügen. Zudem ist es so, dass die Aktienmehrheit von Unternehmen wie Alpiq und Axpo bei Stromversorgern zu finden sind, die zu dem Teil der Konzerne gehören, die durch die Monopolrenten auch heute noch gut dastehen. Ihnen ist es problemlos möglich, die Konzerne mit Hilfe von Kapitalerhöhungen zu sanieren.

Reservehaltung soll gefördert werden

Erneuerbare Energien sind ein wichtiger Fortschritt, bedeuten für viele aber auch Risiken. Während Atomstrom das ganze Jahr über gleichmäßige Erträge brachte und bringt, egal welches Wetter gerade herrscht, ist dies bei den regenerativen Energien nicht so. Oft wird befürchtet, dass es durch Engpässe, ganz besonders in den Wintermonaten, zu einem Stromausfall kommen könnte. In der Schweiz ist man der Meinung, dass der Markt nicht genügend Investitionen tätigt, um solche Engpässe zu vermeiden. Es wird ihnen vorgeworfen, dass sie die Systemkosten, die solch ein Stromausfall erzeugt, nicht ausreichend berücksichtigten. Der witterungsabhängige Strom nimmt immer mehr an Bedeutung zu, und so ist es möglich, dass die Notfallplanungen dann nicht mehr ausreichen könnten. Daher wird diskutiert, ob man mit Geldanreizen für die Stromanbieter diese nicht dazu bringen kann, einige Reserven bereitzuhalten, um Engpässe wie im Winter überbrücken zu können. Und die Schweiz ist mit diesen Überlegungen nicht allein, auch viele andere Länder Europas denken darüber nach. Allerdings hat es die Schweiz mit einem Beschluss in dieser Richtung nicht eilig. Es heißt, dass hier wohl erst Ende 2018 eine Vorlage in die Vernehmlassung geschickt werden soll.

Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/energie-verlustgeschaeft-fuer-die-stromproduzenten-ld.1302657

 

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