Wasserkraftwerke in Albanien – grüne Energie oder Umweltzerstörung?

Romantischer Blick auf den Sava Fluss in Slowenien. Naturschützer sehen dieses Idyll in Gefahr.

Romantischer Blick auf den Sava Fluss in Slowenien. Naturschützer sehen dieses Idyll in Gefahr.

Ein tolles Naturparadies, effektvolle Bilder von Natur und Tieren, gepaart mit der sanften Stimme der Sprecherin, die einem diese Idylle richtig schmackhaft macht. Schnell ist man gewillt zu sagen, wie kommen die denn nur darauf, so eine Natur zu zerstören? Genau das scheint der Beitrag, der am 25.09.2016 im ZDF zum Thema Wasserkraftwerke ausgestrahlt worden ist, erreichen zu wollen.
 
 

Wasserkraft – Gefahr oder Nutzen?

Natürlich bedeutet jedes Wasserkraftwerk einen gewissen Eingriff in die Natur. Aber das bedeuten neue Wohnhäuser, Fabriken, Flughäfen und vieles mehr auch. Wie viel Natur hat in Deutschland beispielsweise bereits weichen müssen, um neue Autobahnzubringer zu bauen? Niemand regt sich darüber auf, vielleicht interessiert es ein paar Umweltschützer, über deren Proteste aber niemand berichtet. Natürlich regt sich hier niemand auf, schließlich möchte jeder möglichst schnell und bequem mit dem Auto zum Ziel kommen. Wenn es um Wasserkraft geht, sieht das gleich wieder ganz anders aus. Schließlich kommt der Strom ja aus der Steckdose, da sind Wasserkraftwerke doch nicht nötig. Vielen ist noch nicht bewusst geworden, wie wichtig die Wasserkraft im Bereich erneuerbarer Energien überhaupt ist. Sie ist die einzige Energie, die immer zur Verfügung steht, sei es am Tag, in der Nacht, oder auch wenn zwei Wochen lang kein Lüftchen weht.

Slowenien und Albanien setzen auf Wasserkraft

Das ist sicherlich auch der Grund, warum man in Slowenien und Albanien auf Wasserkraftwerke setzt. Insgesamt sind dort noch mehr als 2.700 Wasserkraftwerke in Planung, und einige befinden sich auch bereits im Bau. Umweltschützer argumentieren, dass durch den Bau dieser Kraftwerke die Flusslandschaften dort unwiederbringlich verloren seien.

Argumente der Umweltschützer

Die Umweltschützer haben einige Argumente, die gegen den Bau von Wasserkraftwerken sprechen:

  • Wertvolle Naturlandschaften gehen verloren
  • Die Flussökologie wird beeinflusst
  • Staumauern verhindern die Durchlässigkeit für die Tiere, die im Fluss leben
  • Fische sind in Gefahr durch Turbinen
  • Artenvielfalt ist in Gefahr
  • Kleine Kraftwerke zerstören Natur, liefern aber kaum Strom

Sicherlich sind diese Argumente nicht von der Hand zu weisen. Es ist eine Tatsache, dass die Balkanhalbinsel eine sehr große Anzahl an intakten Flüssen aufweist, die selbstverständlich sehr gut für die Wasserkraft genutzt werden können. Allerdings stellt sich die Frage, warum man in den jeweiligen Ländern ohne Rücksicht auf die Natur oder den Menschen Wasserkraftwerke plant. Niemand scheint sich dort wirklich Gedanken darüber zu machen, wo ein neues Wasserkraftwerk entstehen soll. Dass man diese sogar in Nationalparks plant zeigt, wie unstrukturiert man die Planung anzugehen scheint.

Eine gute Planung kann den Eingriff in die Natur auf ein Minimum reduzieren

Durch die Tatsache, dass so viele der Flüsse des Balkans noch unberührt sind, weisen sie auch eine hohe biologische Vielfalt auf. Daher ist es umso wichtiger, ganz genau zu planen, wo der beste Platz ist für den Bau eines neuen Wasserkraftwerks. Dabei kann auch durchaus auf die Artenvielfalt Rücksicht genommen werden. Umweltschützer wären sicherlich gerne bereit, ihr Wissen mit den Planern zu teilen, um möglichst wenig Veränderungen an der Natur zu erreichen beim Bau eines Wasserkraftwerks.

Kleine Wasserkraftwerke sind nicht so problematisch für die Natur

Diese Aussage war ebenfalls im Bericht zu hören. Sie werden für gewöhnlich der vorhandenen Wasserbreite angepasst, und sorgen daher nur für einen kleinen Eingriff in die Natur. Allerdings sollen diesen kleineren Wasserkraftwerke auch nur ganz wenig Strom produzieren. Da stellt sich die Frage, ist es nicht besser, mehrere kleinere Wasserkraftwerke zu bauen, die nur geringe Veränderungen in der Natur mit sich bringen, als ein paar riesige, die dann wirklich für Probleme sorgen können in der Landschaft und der Flussökologie?

Ein Wasserkraftwerk im Nationalpark

Dies ist wieder ein Beispiel dafür, dass es die Regierungen der Länder den Protestanten sehr leicht machen. Wer ein Wasserkraftwerk im Mavrovo-Nationalpark plant, dem ältesten Nationalpark Europas, der muss damit rechnen, dass die Umweltschützer und Anwohner auf die Barrikaden gehen. Und gerade dieses Projekt wird auch noch von der Weltbank und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung unterstützt. Wasserkraft in Ländern, denen sehr viele Flüsse zur Verfügung stehen, ist auf jeden Fall eine sehr gute Sache, aber wenn die Planung so unprofessionell durchgeführt wird, sind Probleme immer vorprogrammiert.

Staumauern verhindern die freie Durchlässigkeit für Tiere

Es scheint klar zu sein, dass eine Staumauer immer ein gewisses Hindernis für die im Fluss lebenden Tiere darstellt. Starke negative Auswirkungen zeigen sich aber meistens dann, wenn innerhalb eines Flussverlaufs gleich mehrere Wasserkraftwerke geplant sind. Auch hier ist alles wieder eine Frage der Planung, eine gute Verteilung der Wasserkraftwerke auf den Flüssen, die sehr gut dafür geeignet sind, reduziert auch hier wieder die negativen Auswirkungen.

Turbinen als tödliche Falle für Fische

Sicherlich ist das Argument nicht von der Hand zu weisen, dass trotz der Errichtung von Fischtreppen Fische in die Turbinen gelangen können. Und wieder geht es hier um die Planung, da es mittlerweile längst Vorrichtungen gibt die verhindern, dass Fische in die Turbinen von Wasserkraftwerken gelangen. Gerade kleinere Kraftwerke, die ja im Balkangebiet entstehen sollen, profitieren von diesen Rechen, die die Fische schützen. Auch bei der Konstruktion neuer Turbinen wird immer mehr darauf geachtet, dass sie fischfreundlich sind. Mittlerweile gibt es sogar neue Anlagen, die sogenannten Schachtanlagen, die absolut ungefährlich für den Fischbestand sind. Dieses Argument kann also sehr schnell entkräftet werden, wenn beim Bau der Wasserkraftwerke darauf geachtet wird, was verbaut wird.

 

Hier haben wir ein Video gefunden zur Forschung im Bereich Rechen für Turbinen die verhindern sollen, dass Fische in die Turbinen geraten:

 

Fazit:

Der Bericht ist sehr schön gemacht, aber er fiel doch recht einseitig aus, auch wenn ein Ansatz zu erkennen ist, vielleicht doch einmal einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Durch eindrucksvolle Bilder wird versucht den Menschen klarzumachen, dass man in diese Natur nicht eingreifen darf. Aber dass die Wasserkraft eine erneuerbare Energie ist, die immer zur Verfügung steht und umweltfreundlich ist, davon redet niemand. Alle Länder setzen nun auf erneuerbare Energien, und dass ein Land, in dem viel Wasser zur Verfügung steht, natürlich auf die Wasserkraft setzt, ist logisch. Für Slowenien haben Wasserkraftwerke noch eine andere wichtige Bedeutung, als EU-Mitgliedsland muss Slowenien einen Klimaschutzbeitrag leisten, und dies hofft man durch die CO2-neutralen Wasserkraftwerke zu erreichen. Der Bericht zeigt recht gut die schönen Landschaften und die Artenvielfalt in der Balkanregion, aber der wichtige Beitrag, den Wasserkraft zur Stromversorgung und dem Klimaschutz leistet, wird gar nicht erst erwähnt. So kann man schon sagen, dass die Berichterstattung ein wenig einseitig abgelaufen ist. Jede Medaille hat zwei Seiten, und nicht alles ist immer nur Schwarz oder Weiß.

Quelle: http://www.zdf.de/planet-e/wasserkraftwerke-bedrohen-die-letzten-flussparadiese-europas-45154236.html

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