Wie der Umweltschutz die Kleinwasserkraftwerke zerstört

Die EU-Richtlinien - sie werden vorgegeben und müssen erfüllt werden. Allerdings zeigen sich einige Richtlinien als wenig effektiv und sollten noch einmal überdacht werden.

Die EU-Richtlinien – sie werden vorgegeben und müssen erfüllt werden. Allerdings zeigen sich einige Richtlinien als wenig effektiv und sollten noch einmal überdacht werden.

Auflagen – keine Frage, jede Branche hat mit gewissen Auflagen zu kämpfen, die erfüllt werden müssen. Allerdings ist es von Branche zu Branche sehr unterschiedlich. Während die einen Auflagen mit Leichtigkeit erfüllen können, steht bei anderen durchaus schon einmal die Existenz auf dem Spiel.
 
 
 
 
 
 

Zerstören neue Auflagen zum Gewässerschutz die Kleinwasserkraft in Österreich?

Die Geschichte der Kleinwasserkraft kann in Österreich auf mehr als einhundert Jahre zurückblicken. Diese Geschichte könnte aber jetzt ein abruptes Ende finden. Zum einen ist es der sehr niedrige Strompreis, der den Betreibern zu schaffen macht, aber vor allen Dingen die Vielzahl an neuen Auflagen, die nun erfüllt werden müssen. Diese reichen vom Bau von Fischaufstiegshilfen bis hin zu einer Erhöhung des Wasserdurchflusses in Fluss oder auch Bach. Um diese Auflagen erfüllen zu können, müssen die Betreiber viel Geld investieren. Aber nicht jeder Betreiber kann sich dies leisten.

Dramatische Lage bei den Kleinwasserkraftwerken

Der Präsident des Verbandes der Kleinwasserkraft Österreich, Christoph Wagner, befürchtet, dass unter diesen Auflagen vor allen Dingen die kleineren Kraftwerke unter den Kleinstwasserkraftwerken leiden müssen, und daher aufhören werden. Seiner Meinung nach sei dies sehr schade, da Österreich so etwas ähnliches sei wie das berühmte „Silicon Valley“ im Bereich der Kleinwasserkraft. Es gebe nirgendwo auf der Welt so viele Betreiber und Turbinen- sowie Anlagenhersteller.

Wie dramatisch die Lage wirklich ist, wurde gerade in bei der Jahrestagung deutlich, die in Waidhofen stattfand. Eine Teilnehmerin berichtete, dass sie im Jahr eine Umsatz mache von 40.000 Euro mit ihrem Kraftwerk. Allerdings soll sie ganze 500.000 Euro investieren. Das große Problem ist, dass diese Investitionen in die Gewässer zwar von der EU vorgeschrieben wurden, aber im Endeffekt den Betreibern keinen Nutzen bringen. Sie werden durch diese Investitionen keinen Cent mehr verdienen, ganz im Gegenteil. Durch diese Investitionen wird es so sein, dass sie gezwungen sind, mehr Wasser neben ihren Anlagen zur Stromerzeugung durchlaufen zu lassen, und dementsprechend wird die Produktion natürlich sinken.

Betreiber fordern mehr Zeit für die Umsetzung

Den österreichischen Vorgaben nach soll es so sein, dass diese Renaturierungs-Investitionen bis zum Jahr 2021 umgesetzt worden sein sollen. Wagner allerdings fordert mehr Zeit dafür. Er bezeichnet Österreich als Musterschüler wenn es um die Umsetzung der Richtlinien der EU ginge, während man in anderen Ländern darüber nicht einmal nachdenke.

Finanzinvestoren auf der Jagd nach Kleinwasserkraftwerken

Solche Krisenzeiten rufen natürlich auch immer wieder Finanzinvestoren auf den Plan, die den Überlebenskampf der Kleinstwasserkraftbetreiber ausnutzen wollen, um ihnen ihre Kraftwerke zu einem günstigen Preis abzukaufen. Wagner sagte dazu, dass zur Zeit alle Angst vor einer Geldentwertung hätten, und somit sogar russische Anleger Investitionen im Bereich der Wasserkraft suchten. Man gehe davon aus, dass der Strompreis irgendwann doch wieder steigen werde, auch wenn man zur Zeit noch nichts verdienen könne.

Mit ihren Angeboten rennen sie aber nicht überall offene Türen ein, es gibt noch immer viele Betreiber, die ihre Kraftwerke einfach nicht verkaufen wollen. Sie hoffen noch immer darauf, dass es doch noch Förderungen geben wird für die Investitionen. Zurzeit sei es aber so, dass der österreichische Finanzminister wohl nicht daran denkt, dafür Geld herauszugeben.

Ökostromförderungen erhalten nur wenige Betreiber

Nur 20 Prozent aller Betriebe erhalten heute für den produzierten Strom Ökostromförderungen. Der Grund dafür, dass es nur so wenige Betriebe sind liegt darin zu finden, dass die meisten der Anlagen einfach schon recht alt sind, und somit die Förderzeit abgelaufen ist. Viele Betreiber suchen mittlerweile nach Lösungen, um sich selbst zu helfen, so wie beispielsweise die Selbstvermarktung.

Quelle: https://kurier.at/wirtschaft/harte-zeiten-fuer-kleinwasserkraftwerke/225.727.972

 


 

Meinungen zu den Auflagen der EU

Wie immer im Bereich der Wasserkraft ist es auch in Österreich so, dass die Meinungen zum Thema wirklich unterschiedlich sind. Befürworter und Gegner halten sich hier so ziemlich die Waage, und die meisten Argumente sind auch durchaus nachvollziehbar.

Ein Bericht zum Aus vieler Kleinwasserkraftwerke in Österreich hat viele Leser dazu angeregt, ihre Meinung zum Thema zu sagen. Hier ein paar Auszüge aus den Kommentaren:

  • Ein Leser bescheinigt den kleinen Wasserkraftwerken die Möglichkeit der regionalen Unabhängigkeit in der Versorgung. Er sieht die Probleme in einer falschen Förderungspolitik, Umweltpolitik und darin, dass falsche Menschen an den Schalthebeln sitzen. Er fordert mehr vernünftige Regulierungsmaßnahmen.
  • Ein weiterer Leser sieht den Energiemarkt in starkem Umbruch und ist der Meinung, dass Förderungsmodelle noch nicht richtig abgestimmt sind.
  • Auch die Meinung, dass die Regierung gezielt Wasserkraftwerke verhindern möchte, um die Windkraft stärker einzusetzen, wird genannt.
  • Hier schließt sich ein weiterer Kommentator an, er hat das Gefühl, dass dort ein System dahintersteckt. Zuerst habe es eine Auflagen- und Bürokratieflut gegeben, die die meisten Projekte schon im Keim erstickt hätte. Auch die Lobbyisten der Atomkraft in Brüssel sorgten dieser Meinung nach dafür, dass die Wasserkraft als Energieerzeuger verschwinde.

Quelle: http://www.nachrichten.at/nachrichten/wirtschaft/Kleinwasserkraft-Warum-ein-Drittel-vor-dem-Aus-steht;art15,1875168,E

 

 


 

Sind die EU-Richtlinien sinnvoll oder eher kontraproduktiv?

Das ist eine Frage, die sich nur recht schwer beantworten lässt. Wenn man bedenkt, dass man von einem Besitzer entweder den Bau einer neuen Fischaufstiegshilfe verlangt, oder eine Renaturierung eines Baches mitsamt der Umleitung des Wassers in einen anderen Fluss, dann fragt man sich schon, was das für einen Sinn macht? Dazu muss noch gesagt werden, dass der Fluss ein Paradies für Fischreiher ist und sowieso kaum Fische im Fluss zu finden sind. Somit wäre eine Fischaufstiegshilfe eine ziemlich sinnlose Investition. Und ob eine Umleitung eines Baches, die zum Ende desselben führen würde, Sinn macht, das mag jeder selbst entscheiden.

Quelle: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/salzkammergut/Kleinkraftwerk-steht-wegen-EU-Richtlinie-vor-dem-Aus;art71,2359794

 


 

Renaturierung nicht ausreichend

Dass eine Renaturierung keineswegs ausreicht, um einen Fluss der EU-Richtlinie anzupassen, zeigt ein Forschungsprojekt an der Nidda. Dort hat sich die Hoffnung, dass die Renaturierungen dafür sorgen würden, dass Flüsse wieder sauberer werden, nicht erfüllt. Die Verbesserungen, die die EU gefordert hatte, seien nicht eingetroffen. Es spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle, die offensichtlich wichtiger sind als die Renaturierung der Flüsse. Aber natürlich habe die Renaturierung eine positive Wirkung auf die Flora und Fauna gehabt, aber eben nicht die Wirkung, die man sich erwünscht hatte.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/nidda-in-frankfurt-renaturierung-allein-reicht-nicht-14464955.html

 


 

Investitionen in Wasserkraftwerke, die auch Profit bringen

Generell stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist für die Betreiber in Dinge wie Fischaufstiegshilfen zu investieren, wenn man doch auch in neue Techniken investieren kann, die die Fische schützen, beispielsweise mit neuen Turbinen, die gefahrlos sind für Fische. Von solch einer Technik könnten dann auch die Betreiber profitieren. Und wenn schon Fischaufstiegshilfen gebaut werden müssen, könnten sich dann die Gemeinden nicht wenigstens zum Teil an den Kosten beteiligen? EU-Richtlinien hin oder her, es ist deutlich zu sehen, dass hier um jeden Preis Richtlinien umgesetzt werden sollen, die teilweise nicht einmal den Erfolg bringen, der versprochen wurde. Vielleicht wäre es nützlich, doch einmal diese Richtlinien erneut zu überdenken, und auch die Existenz und den Nutzen der Wasserkraft mit einzubeziehen. Eventuell könnten so Richtlinien gefunden werden, die sowohl der Natur Nutzen bringen, als auch den Betreibern der Wasserkraftwerke.

 

 

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